Erfahrungen die bleiben…

Vorab ein paar Worte…

Wer meinen Werdegang zum ersten Mal liest, fragt sich vermutlich irgendwann, ob ich zwischendurch einfach einen Dartpfeil auf den Arbeitsmarkt geworfen habe. Tatsächlich steckt hinter jeder Station eine Geschichte – auch wenn der Weg vom Schmiedehammer bis zur Firewall auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich aussieht.

Und ehrlich gesagt bestand mein Leben nie nur aus dem Beruf. Parallel zur Arbeit begleiten mich seit fast vier Jahrzehnten das Vereinsleben, Veranstaltungen und Veranstaltungstechnik. Beides zusammen hat mich vermutlich mehr geprägt als jede einzelne berufliche Station.

Da immer wieder Fragen zu meinem Werdegang aufkommen, habe ich mich entschieden, ihn nicht nur tabellarisch, sondern etwas persönlicher aufzuschreiben. Vielleicht etwas ausführlicher als üblich, dafür aber ehrlicher. Und ganz nebenbei kann ich jetzt manchen Leuten einfach den Link schicken. 😉

Der Weg war selten geradlinig, manchmal anstrengend, oft spannend und rückblickend genau richtig. Viele Erfahrungen aus den ersten Berufsjahren begleiten mich bis heute – auch wenn heute Tastatur und Terminal häufiger zum Einsatz kommen als Schweißgerät oder Schmiedehammer.


Vom Schmiedefeuer zur Firewall

Der berufliche Einstieg begann 1987 mit einer Ausbildung zum Hydraulik- und Pneumatikmechaniker bei der SDAG Wismut in Schlema.

Die Ausbildung vermittelte weit mehr als den Umgang mit Hydraulik- und Pneumatiksystemen. Drehen, Fräsen, Bohren, Schweißen und Arbeiten in der Schmiede gehörten selbstverständlich dazu. Dort lernte man noch, Stahl anhand seiner Farbe auf die richtige Temperatur zu bringen, bevor er geschmiedet oder gehärtet wurde. Heute erledigen das Sensoren und Messgeräte – damals gab es erfahrene Ausbilder, ein gutes Auge und den Satz: „Nee… der ist noch nicht soweit.“ Erstaunlicherweise funktionierte das hervorragend.

Präzision war keine Floskel, sondern Voraussetzung dafür, dass ein Werkstück funktionierte. Ergänzt wurde diese Zeit durch mehrere Schweißscheine und eine klassische handwerkliche Ausbildung, die meinen Blick auf Technik bis heute prägt. Dort entstand auch die Überzeugung, dass Probleme am besten gelöst werden, wenn man sie zuerst versteht und anschließend praktisch anpackt.

Im Anschluss folgte eine Weiterbildung im Bereich Funk- und Tontechnik. Irgendwann wurde aus Öl und Hydraulik langsam Elektronik und Kommunikationstechnik. Rückblickend vermutlich der erste Schritt in Richtung IT – auch wenn mir das damals noch nicht bewusst war.

Die ersten beruflichen Erfahrungen wurden anschließend bei der GEMOWA sowie der Reifenhäuser GmbH & Co. KG gesammelt. Dort standen Montage, Inbetriebnahme und Instandhaltung technischer Anlagen sowie erste Aufgaben in der Verfahrenstechnik im Mittelpunkt. Hier zeigte sich zum ersten Mal, dass Theorie zwar wichtig ist – am Ende aber trotzdem irgendjemand den Schraubenschlüssel in die Hand nehmen muss.

Anschließend führte der berufliche Weg zur Rheinischen Provinzial Basalt- und Lavawerke GmbH.

Die Jahre im Basaltwerk gehören bis heute zu den prägendsten Abschnitten meines Berufslebens. Der Arbeitsalltag bestand aus Staub, Lärm, Hitze, schweren Maschinen und körperlich anspruchsvoller Arbeit. Produktionsanlagen mussten laufen – und wenn sie stillstanden, spielte die Uhr gegen einen.

Dann wurde repariert, geschweißt, improvisiert und solange gearbeitet, bis die Produktion wieder anlief. Diskussionen darüber, ob etwas heute oder morgen erledigt wird, gab es selten. Die Anlage musste laufen – Ende der Besprechung.

Staub gab es übrigens kostenlos. Davon nahm man jeden Abend genug mit nach Hause.

Dort lernte man im wahrsten Sinne des Wortes das Arbeiten. Verlässlichkeit, Disziplin, Teamgeist und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, waren keine Schlagworte, sondern tägliche Realität. Jeder musste sich auf den anderen verlassen können. Durch Engagement und praktische Erfahrung durfte ich später Verantwortung als Vorarbeiter und Teamleiter übernehmen.

Rückblickend war diese Zeit nicht nur fachlich wertvoll, sondern hat auch den eigenen Charakter nachhaltig geprägt. Trotzdem war mir irgendwann klar: Das mache ich nicht bis zur Rente. Alles hat eben seine Zeit.

Nach dem Wehrdienst bei der Bundeswehr fiel schließlich die Entscheidung für einen beruflichen Neuanfang. Nach der Grundausbildung bei der Luftwaffe in Budel (Niederlande) und der Stationierung im Bundesministerium der Verteidigung ging es plötzlich statt um Hydraulikleitungen eher um Tabellen. Vermutlich war das mein erster ernsthafter Kontakt mit Excel – und überraschenderweise war das deutlich ungefährlicher als ein Schmiedehammer.

Im Rahmen der anschließenden Umschulung zum IT-Systemkaufmann entstand schließlich die Verbindung zwischen technischem Handwerk und moderner Informationstechnologie.

Nach ersten Tätigkeiten als IT-Berater führte der weitere Weg zum Bundeswehr-Rechenzentrum Köln/Wahn. Dort war ich mehrere Jahre als Systemadministrator tätig und betreute komplexe IT-Infrastrukturen. Server, Netzwerke, Benutzerverwaltung und sicherheitsrelevante Systeme gehörten ebenso zum Alltag wie die Verantwortung dafür, dass möglichst alles störungsfrei lief. Und falls doch etwas ausfiel, wusste natürlich jeder sofort, wen er anrufen musste. Bloß nicht mich!

In den folgenden Jahren führten verschiedene Stationen bei IT-Dienstleistungsunternehmen in zahlreiche Kundenprojekte. Die Aufgaben reichten von der Planung und Einführung moderner IT-Infrastrukturen über Virtualisierung und Netzwerktechnik bis hin zu Microsoft-Technologien, Projektmanagement und IT-Sicherheit. Dabei durfte ich viele unterschiedliche Unternehmen kennenlernen – und nebenbei feststellen, dass Drucker offenbar überall ihren ganz eigenen Charakter besitzen.

Von 2010 bis 2023 war ich als freiberuflicher IT-Berater tätig. Unternehmen wurden bei der Planung, Einführung und Betreuung moderner IT-Landschaften begleitet. Digitalisierung, Optimierung bestehender Systeme sowie individuelle Kundenprojekte bestimmten den Alltag. Die Selbstständigkeit bedeutete allerdings nicht nur Technik, sondern auch Angebote, Rechnungen, Buchhaltung und die Erkenntnis, dass Drucker und Finanzamt ungefähr denselben Beliebtheitsgrad besitzen.

Seit 2023 bin ich als IT-Architekt bei einem IT-Dienstleistungsunternehmen fest angestellt. Der heutige Aufgabenbereich umfasst die Architektur und Betreuung sicherer Zugangszonen sowie sicherheitskritischer IT-Infrastrukturen. Themen wie Identitäts- und Zugangsmanagement, hohe Verfügbarkeit und IT-Sicherheit stehen dabei täglich im Mittelpunkt.

Mein beruflicher Werdegang wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas „crazy curved“. Meine Mutter hätte wahrscheinlich irgendwann gesagt: „Junge, entscheide dich doch mal.“ Heute würde ich sagen: Zum Glück habe ich genau das nicht getan. Denn gerade diese Mischung aus Handwerk, Industrie und IT macht mich heute aus.


Wenn Technik Menschen zusammenbringt

Neben dem Beruf begleitet mich seit inzwischen fast 40 Jahren eine zweite große Leidenschaft: Veranstaltungen, Vereinsleben und Veranstaltungstechnik.

Schon früh entstand die Begeisterung für alles, was Menschen zusammenbringt. Ob Dorffeste, Kirmes, Vereinsveranstaltungen, Konzerte, Jubiläen oder private Feiern – überall dort, wo organisiert, aufgebaut oder technisch unterstützt werden musste, war ich gerne dabei. Was zunächst als Interesse begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem festen Bestandteil meines Lebens.

In den vergangenen Jahrzehnten durfte ich an annähernd 300 Veranstaltungen mitwirken – und war dabei vermutlich deutlich häufiger Organisator als Gast. Während andere fragten, wann das Bier endlich kalt ist, fragte ich eher, ob der Stromverteiler schon angeschlossen ist.

Für mich begann eine Veranstaltung meistens mit dem ersten Anhänger und endete erst, wenn das letzte Kabel aufgerollt, die Bühne abgebaut und der Platz wieder sauber verlassen war. Erst dann war Feierabend.

Von der ersten Idee bis zur letzten Schraube gehörten Planung, Materialbeschaffung, Bühnen- und Zeltbau, Stromversorgung, Licht- und Tontechnik, Logistik, Sicherheitskonzepte und die Koordination vieler Helfer selbstverständlich dazu. Vieles davon geschah ehrenamtlich – nicht, weil es jemand verlangt hat, sondern weil es einfach Spaß macht, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.

Wer viele Veranstaltungen organisiert, entwickelt übrigens einen sechsten Sinn. Irgendwann hört man förmlich den Satz: „Tom… wir haben da mal ein kleines Problem.“ Meistens war es kein kleines Problem.

Gerade das Vereinsleben hat mir gezeigt, wie viel Menschen gemeinsam erreichen können. Eine gelungene Veranstaltung entsteht nie allein. Sie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, mitdenken und sich aufeinander verlassen können. Teil davon zu sein und über viele Jahre mitwirken zu dürfen, empfinde ich bis heute als großes Privileg.

Dabei stand für mich nie die Technik allein im Mittelpunkt. Technik ist wichtig – aber sie ist nur das Werkzeug. Entscheidend sind die Menschen dahinter. Es gibt kaum etwas Schöneres, als nach Wochen der Vorbereitung am Ende in zufriedene Gesichter zu schauen und zu wissen, dass sich jeder Handgriff gelohnt hat.

Auch diese Erfahrungen begleiten mich bis heute. Organisation, Improvisation, Teamarbeit, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, auch unter Zeitdruck ruhig zu bleiben, helfen nicht nur bei Veranstaltungen, sondern genauso im Berufsalltag. Denn sowohl eine Veranstaltung als auch ein produktives IT-System haben eines gemeinsam: Wenn der Moment gekommen ist, muss einfach alles funktionieren.


Persönliches Fazit – Rückblickend würde ich diesen Weg jederzeit wieder gehen.

Jede Station hatte ihren Sinn – von der Werkstatt über das Basaltwerk bis hin zu Rechenzentren, IT-Projekten und sicherheitskritischen Infrastrukturen. Genauso prägend waren die vielen Jahre im Vereinsleben und in der Veranstaltungsorganisation, die bis heute einen festen Platz in meinem Leben haben.

Vielleicht unterscheidet mich genau das ein wenig von vielen anderen. Technik war für mich nie Selbstzweck. Ob Maschine, Server oder Lautsprecher – am Ende geht es immer darum, dass etwas zuverlässig funktioniert und Menschen sich darauf verlassen können.

Ich habe großen Respekt vor Theorie, Ausbildung und Fachwissen. Gleichzeitig war ich immer jemand, der Dinge lieber ausprobiert, Verantwortung übernimmt und Lösungen findet, statt lange darüber zu diskutieren.

Auf das Erreichte blicke ich mit Dankbarkeit und auch ein wenig Stolz zurück. Nicht, weil jeder Schritt perfekt war, sondern weil jede einzelne Erfahrung ihren Beitrag geleistet hat.

Danke Deutschland, danke deutsche Industrie und Handwerk!

Und wenn ich heute auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblicke, sehe ich keine gerade Karriereleiter. Ich sehe viele Wege, die am Ende erstaunlich gut zusammenpassen. Vom Schmiedefeuer über das Basaltwerk, Serverräume und Rechenzentren bis hin zu Dorffesten, Konzerten und Vereinsveranstaltungen zieht sich immer derselbe rote Faden: Technik sinnvoll einzusetzen und Dinge zum Laufen zu bringen.

Am schönsten ist es, wenn am Ende alles funktioniert und Menschen zufrieden nach Hause gehen – sei es nach einem erfolgreich abgeschlossenen IT-Projekt oder nach einer gelungenen Veranstaltung.

Mein Lebenslauf ist vielleicht nicht der geradeste. Langweilig war er dafür aber auch nie. Und ehrlich gesagt hoffe ich, dass das noch eine ganze Weile so bleibt.


Bevor also in Zukunft wieder eine Diskussion losgeht: Manche Entscheidungen wirken vielleicht ungewöhnlich – aber lasst einfach mal ein paar Jahrzehnte Erfahrung sprechen. 😉

tom

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